Der Biber als Landschaftsgestalter


Wie lebt der Biber?

Der streng geschützte Biber ist seit einigen Jahren in Oberschwaben wieder heimisch geworden. Lange Zeit war er gefährdet, weil er wegen seines dichten Fells und seines Fleisches gejagt worden war. Nun sind die meisten Reviere in Fließgewässern von Bibern besetzt. Im Landkreis Biberach leben rund 1200 Biber in 350 Revieren. Biber sind nachtaktiv und kommen bei Dämmerung aus ihrem Bau. Die Eingänge zu den Bauten sind zum Schutz vor Fressfeinden stets unter Wasser angelegt. Sie haben feste Höhlen in der Uferböschung oder sie bauen sich aus Ästen und kleinen Stämmen einen auffälligen Biberbau. Vom Biber angelegte Erdvertiefungen am Ufer dienen als Fluchthöhlen.

Foto: Peter Holl
Foto: Peter Holl

Einmal im Jahr bekommen Biberpaare ein bis zwei Junge. Die zweijährigen Biberjungen wurden zuvor aus dem Bau vertrieben; sie müssen sich ein neues Revier suchen. Da die meisten Reviere bereits besetzt sind, ist die Suche für die Jungbiber sehr schwierig und einige kommen bei Verkehrsunfällen ums Leben. 

Biber gestalten ihr Revier: Sie bauen Staudämme, an denen das Wasser langsamer fließt und wo die Möglichkeit für die Ansiedlung von Fischen, Libellen und anderen Arten besteht. Die nun mäandrierenden Gewässer besitzen eine höhere Artenvielfalt.  Auffallend sind die abgenagten, teils umgestürzten Bäume. Biber ernähren sich im Winter von ihrer Rinde und bevorzugen die weichholzigen Bäume wie Weiden und Pappeln. Sie können mit lockerem Draht geschützt werden. Umgefallene Bäume sollten nicht gleich weggeräumt werden, die Zweige dienen Bibern als Nahrung und so werden die Nachbarbäume eher in Ruhe gelassen. Biber helfen, Lebensraum für Arten zu schaffen, die längst von unseren Gewässern verschwunden sind und arbeiten so für den Schutz der Natur und die Artenvielfalt.


Biberberatung

In unserer NABU-Gruppe Südliches Riss- und Umlachtal ist das Vorstandsmitglied Peter Holl seit 2022 im Auftrag des Landratsamts Biberach ehrenamtlicher Biberberater für Hochdorf und Ingoldingen und seit 2023 zusätzlich für Bad Schussenried. Er berät die Bürger in Fragen zu Bibern und ihrer Lebensweise und vermittelt auch bei Problemen mit dem Biber. Exkursionen zum Biber und Kinderaktionen "Zu Besuch bei Familie Biber" gehören zu unseren Aktivitäten. Sie finden  unsere Aktivitäten zum Biber unter den Terminen oder nehmen Sie einfach Kontakt zu uns auf!

Wenn Sie Interesse haben, sich in der ehrenamtlichen Biberberatung zu engagieren, nehmen Sie Kontakt zu uns auf und informieren Sie sich unverbindlich über die Voraussetzungen und die Arbeit eines ehrenamtlichen Biberberaters. Die Naturschutzbehörden suchen zur Zeit Biberberater. Für den Herbst plant das Regierungspräsidium Tübingen eine Schulung für die Biberberatung. Haben Sie Interesse? Kontakt


Biber rettete seine Jungen beim Maihochwasser 2024

Beim Hochwasser Ende Mai 2024 beobachtete unser Mitglied M. Weins, wie ein Biber seine Jungen vor dem Ertrinken im Hochwasser bei Ummendorf gerettet hat. Zu dieser Zeit gab es ein "Jahrhunderthochwasser" in Ummendorf. Straßen und Häuser wurden überschwemmt und auch der Biber musste seine Familie evakuieren, weil die Eingänge des Biberbaus überflutet wurden.

Fotos: M. Weins


Biber-Galerie

Fotos: Susanne Gnann - NABU Südliches Riss- und Umlachtal
Fotos: Susanne Gnann - NABU Südliches Riss- und Umlachtal

Wie der "Biber" zu Biberach kam

Wappen der Stadt Biberach an der Riss
Quelle Bild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wappen_Biberach.svg

Die Namensherkunft Biberachs

(Biberach an der Riss)

 

(1) Die Bezeichnung Biber stammt aus dem indogermanischen Sprachraum und bedeutet, wie auch das engliche beaver nichts anderes als braun, bzw. "der Braune". das trifft auch auf andere europäische Lander/Sprachen zu. Auch die Bezeichnung Bär hat diesen Wortursprung. 

 

(2) Stadt und Landkreis Biberach verdanken ihre Namen also nicht dem Biber. Der Name unserer Großen Kreisstadt stammt vom (späteren) althochdeutschen "bhebr" ab und auch das heißt nichts anderes als "braun".

Die braune Ach, nach der die Siedlung und später dann auch der Landkreis genannt wurden, war der Rotbach, der sich nicht durch eine rote Farbe auszeichnete, sondern ein "Reutebach" war, also ein Fließgewässer, das durch deutliche kulturelle Spuren der Reutewirtschaft (= Rodungstätigkeit) gekennzeichnet war. Die Reutewirtschaft führte bei längeren Regenzeiten zu einer starken Abtragung von Sedimenten, so dass sich hier das Wasser dann braun verfärbte. Und dem Bach aus den Rodungen von Reute etc. die auffallend braune Färbung verlieh. Die Riß dagegen war nicht so sehr von hochmittelalterlichen Rodungstätigkeiten beeinflusst, behielt ihre Farbe, so dass der Bach aus den hochmittelalterlichen Rodungsgebieten um Reute, Muttensweiler, Eggelsbach und Mittelbiberach sich dann durch seine braune Farbe deutlich gegenüber der Riß abzeichnete.

 

Zur Wappengeschichte: Natürlich war es naheliegend, der nach der Bhebr-Ach, also braunen Ach bezeichneten Siedlung nach Verleihung des Stadtrechts ein Wappentier zuzugestehen und da Adler, Bären, Wölfe etc. in der Wappensymbolik der Biberacher Ortsherren keine Bedeutung hatten, kamen diese auf die Idee, hier das Tier, das man nach seinem braunen Pelz den Braunen oder eben den Bhebr nannte, zum Wappentier zu erheben. Mittelbiberach und Stafflangen gehörten ja großteils den Familien Schad (Mittelbiberach) und Gräter und Brandenburg (Stafflangen), so dass es dort naheliegend war, sich ebenfalls des Bibers als Wappentier der Stadt und ihres Patriziats zu bedienen. Der Wappenbiber wurde dann auch dem Wappen des Biberacher Spitals zum Heiligen Geist zugeordnet und da Attenweiler dem Spital gehörte, tauchte der dann dort ebenfalls im Ortswappen auf.

 

Quellenangaben:

(1). Der Biber - Baumeister mit Biss, SüdOst Verlag, Seite 13 "Woher hat der Biber seinen Namen" (2. Auflage 2021)

(2) Herbst, Lutz Dietrich: Mit Wasser im Überfluss bauen in Biberach an der Riß. In: Brunecker, Frank (Hrsg.): Wasser (in Biberach). Ausstellungsband zur Sonderausstellung "Wasser" anlässlich der Hochwasserkatastrophe in Biberach im Frühjahr/ Frühsommer 2016. Biberach 2017, S. 95